2013-03-04 Heimat auf Zeit – Asylsuche in Zirndorf

Höchst interessant gestaltete sich der Themenabend „Heimat auf Zeit – Asylsuche in Zirndorf“ mit Erwin Bartsch, dem Beauftragten des Evangelischen Dekanats für Asylfragen. Erwin Bartsch arbeitet seit 22 Jahren als Gemeindepädagoge in St. Rochus in Zirndorf und hat sich dabei von Anfang an sehr um Asylbewerber gekümmert. Anhand einer Powerpoint-Präsentation gab er Einblick in die Entstehung des ursprünglichen „Aufnahmelagers“ bis hin zur heutigen Unterkunftssituation in Zirndorf. Gleichzeitig erläuterte er das aktuelle Asylverfahren in Deutschland.

Für die in Zirndorf ankommenden Menschen bedeutet dies nach langer Flucht langsam zur Ruhe zu kommen. Es bedeutet, die Angst vor Tod und Gewalt nicht mehr als täglichen Begleiter haben zu müssen und endlich in Sicherheit zu sein vor Misshandlung, Vergewaltigung und Krieg.

Für diese Menschen gilt nun sich in einer völlig neuen Kultur und Sprache zurechtfinden zu müssen. Sie haben als Flüchtlinge auch, alles verloren, ihre Heimat, ihre Familie und alles, was ihnen lieb und teuer war.

Meist ist die Entscheidung alles aufzugeben, keine freiwillige, sondern der einzige Weg, um zu überleben. Entwurzelt durch den Verlust der Heimat bedürfen sie umso mehr unserer Unterstützung, um sich in der neuen Heimat auf Zeit zurechtzufinden.

Er konnte zu jeder Frage umfassend Antwort geben. Von den Teilnehmern wurde die Situation, dass derzeit das Thema Asyl nicht mehr zum politischen Schlagabtausch genutzt wird, als sehr hilfreich empfunden. Trotz mancher Unzulänglichkeiten hat sich die Situation in den zurückliegenden Jahren verbessert. In anderen europäischen Ländern werden jedoch nach wie vor viel mehr Asylsuchende aufgenommen und auch die Verfahren positiver entschieden als bei uns. Sehr nachdenklich machten die Teilnehmer die Berichte von Schicksalen der Flüchtlinge und den hohen finanziellen Aufwendungen für professionelle Schlepper und die unlauteren Versprechungen, denen sie erliegen.

Eine Bereicherung des Abends waren auch die Ausführungen von Herrn Daum, der in der Nähe von Markt Erlbach eine Asylbewerber-Unterkunft betreibt, in der die Asylsuchende dann viele Monate verbringen und aufgrund unserer deutschen Gesetzeslage zum Nichtstun gezwungen sind, da eine Arbeitsaufnahme im ersten Jahr generell verboten ist.

Langenzenn, den 17. März 2013/Kl

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